Autor: andreasgoerg

  • Ein Großer geht – zum Tod von Franco Baresi

    Franco Baresi ist tot. Mit ihm geht nicht nur einer der größten Verteidiger der Fußballgeschichte, sondern auch einer der letzten echten Liberos – einer Spielmacher der Defensive, wie wir ihn aus einer anderen Zeit kennen. Wer, wie ich, 1974 geboren wurde, ist mit Spielern wie Franco Baresi, Klaus Augenthaler oder Matthias Sammer aufgewachsen. Sie standen nicht einfach in der Abwehr. Sie dirigierten das Spiel, antizipierten, eröffneten Angriffe und verliehen ihrer Mannschaft Ruhe und Ordnung.

    Der Libero ist heute praktisch verschwunden. Moderne Systeme mit Dreier-, Vierer- oder Fünferkette verlangen andere Profile. Raumdeckung, Pressing und Kettenverschieben haben die klassische Rolle des freien Mannes hinter der Abwehr verdrängt. Damit ist auch ein Stück Fußballkultur verschwunden.

    Baresi verkörperte diese Position in Perfektion. Elegant statt spektakulär, intelligent statt laut. Seine Zweikampfführung, sein Stellungsspiel und seine Führungsqualitäten machten ihn zu einer Ikone des italienischen Fußballs.

    Bemerkenswert ist aber noch etwas anderes: Franco Baresi spielte seine gesamte Profikarriere ausschließlich für den AC Mailand. Über zwanzig Jahre lang trug er ein einziges Trikot – in einer Zeit, in der Vereinswechsel zur Normalität geworden sind, wirkt eine solche Treue fast wie ein Relikt aus einer vergangenen Epoche.

    Mit Franco Baresi verabschiedet sich ein großer Fußballer, einer der letzten Libero, ein Spieler der das Spiel las, statt ihm nur hinterherzulaufen.